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Aufbruchstimmung am Strommarkt

An der Börse ist in den letzten Jahren der Strompreis um fast 50 Prozent gesunken. Eine Kilowattstunde kostet nicht mehr 6 Cent, sondern nur mehr 3,5 Cent. Diesen Preisverfall haben die regionalen Energiekonzerne nicht an die Haushaltskunden weitergegeben, weil ihre Marktposition einfach zu dominant ist.

 

Ein Wettbewerb am Strommarkt findet nur außerhalb der Landesgrenzen statt. Zur Akquisition von Neukunden bieten die regionalen Versorger ihrem Strom nur in den anderen Bundesländern zu einem günstigeren Preis an. Der Heimmarkt bleibt tabu.

 

Erst durch die Aktion des Vereins für Konsumenteninformation kam der Strommarkt in Bewegung. Österreichweit haben 68.000 Haushalte im Rahmen der Aktion "Ener­gie-kosten-Stop" ihren Anbieter gewechselt, weil die Nachfrage gebündelt wurde. Jetzt reagieren auch die Stadtwerke Klagenfurt auf diese Entwicklung und bieten ab Juni einen Billigstrom unter der Marke "Pullstrom" an; ein Online-Produkt, welches um 20 Prozent unter den Preisen der anderen Anbieter liegen soll.

 

Zum ersten Mal kann man in Österreich seine Stromkosten ohne Anbieterwechsel deutlich reduzieren. Kunden der Energie Klagenfurt GmbH (EKG) brauchen sich nur über das Internet bei Pullstrom anmelden. Die Ersparnis von 20 Prozent für einen Mausklick ist ein Angebot, was man nicht ausschlagen kann.

 

Wie der städtische Energieversorger gegenüber seinen Kunden erklärt, dass er für ein und dasselbe Produkt zwei Preise verlangt, bleibt abzuwarten. Nur mit dem Hin­weis, dass es sich bei dem Billigstrom um ein Online-Produkt handelt, ist es nicht getan, weil es beim Strom auf den Produktpreis ankommt und nicht auf die zu ver­nachlässigenden Einsparungen im Zusammenhang mit der Administration.

 

Das Drehen an der Preisschraube wird vermutlich den Strommarkt in ganz Kärnten in Bewegung setzen. Wenn man bedenkt, dass die KELAG die höchsten Netzgebüh­ren in Österreich verlangt – diese liegen um 20 Prozent über dem zweitteuersten Anbieter –, ist diese Entwicklung mehr als überfällig. Was LH Peter Kaiser vor der Wahl versprochen hat, nämlich dass der Strompreis sinkt, könnte jetzt in die Realität umgesetzt werden. Der Treppenwitz dabei ist, dass diese Entwicklung nicht das Er­gebnis einer politischen Entscheidung ist, sondern vielmehr vom Mitbewerber des Landesversorgers, nämlich der EKG erzwungen wird. Der lokale Stromversorger kann die Umsatzeinbußen durch sein eigenes Konkurrenzprodukt nur dann aus­gleichen, wenn er neue Kunden dazuge­winnt; und das heißt Wettbewerb am Kärnt­ner Strommarkt.

 

Pullstrom hat sich zum Ziel gesetzt, auch im Tarifkalkulator der E-Control immer als billigster Anbieter aufzuscheinen. Da sollte der Online-Wechsel keine allzu große Hürde sein.

Autor: Johann Neuner, Datum: 05.06.2014
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