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Strompreiserhöhung: Wehrt euch!

Wieder einmal hat die Kelag für die Haushaltskunden den Strompreis erhöht. Dieses Mal aus dem Titel des Ökostromzuschlages, und zwar rückwirkend um rund 2 Prozent. Die Begründung des Vorstandes stützt sich auf das neue Ökostromge­setz, welches ab 1. Juli 2012 in Kraft getreten ist. Dabei wird geflissentlich ver­schwiegen, dass seit 1. Jänner 2012 die Ökostrom-Verrechnungspreise gesunken sind. Einige Stromlieferanten in Österreich haben als Reaktion darauf den Strom­preis zwischen 3 und 5 Prozent gesenkt.

Im Gegensatz zur Kelag. Sie sah keine Veranlassung, die behördlich verordnete Beitragssenkung an die Stromkunden weiterzugeben. Dieses Verhalten erinnert an die Selbstherrlichkeit der Ölkonzerne: Wenn die Preise steigen, erhöhen, wenn sie fallen, bleibt alles beim Alten.

Die Anzahl jener Kärntner, die unter der Energiearmut leiden, wird immer größer. Zurzeit sind es schon mehr als 18.000 Bürger. Die Kehrseite der Medaille ist die Ge­winnentwicklung bei der Kelag. Im Jahr 2011 betrug dieser 91,8 Millionen Euro. Strompreis sei Dank.

Vorige Woche wurde bekannt gegeben, dass das Land Kärnten Anteile an die RWE verkauft hat. Kein Wunder, wenn man bedenkt, welche zukünftigen Preiserhöhungen uns noch bevorstehen. Der deutsche Energieriese hat diese sprudelnde Quelle als Cashcow-Investition erkannt. Dass der Verkauf hinter den Kulissen ausgemauschelt und ohne Ausschreibung erfolgte, war "Part of the Deal".

Das Land verzichtet jährlich auf einen Gewinnanteil von 6 Millionen Euro. Demge­genüber steht eine Zinsersparnis von 2 Millionen Euro, das heißt, dass die öffent­liche Hand jährlich 4 Millionen Euro weniger hat. Eine wirkliche Erfolgsstory – leider nur für die RWE und die diesen Deal abwickelnden Netzwerker.

Gibt es eine Möglichkeit, diesem oligarchischen Strompreisdiktat zu entkommen? Ja! Die Haushaltskunden müssten sich zusammentun und gemeinsam gegenüber dem Stromanbieter auftreten. Nur dann gibt es eine faire Verhandlungsbasis, so wie dies bei Industrie- und Tourismusbetrieben der Fall ist. Gemeinsam sind wir stark. Ob Wohnbaugenossenschaften, Arbeiterkammer oder Automobilclubs – wenn diese In­stitutionen für ihre Mitglieder auftreten und den Preis aushandeln, könnten die jähr­lich wiederkehrenden Erhöhungen des Strompreises für die Kunden gestoppt wer­den.

Oligarchische Strukturen nützen ihre Machtposition aus. Ohne Solidarisierung auf der Nachfrageseite werden die Haushaltskunden weiter die Melkkuh der Energiever­sorger sein.

Von der Politik ist keine Hilfestellung zu erwarten. Sie ist Teil des "Part of the game"-Netzwerkes. Nehmen wir daher die Sache selbst in die Hand und werden aktiv.

Autor: Johann Neuner, Datum: 23.07.2012
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