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Die Wahrheit über die Strompreiserhöhung

Die Kelag erhöht ab 1. April den Strompreis um 3,9 Prozent. Für 230.000 Haushaltskunden bedeutet dies eine Mehrbelastung von 25 bis 50 Euro im Jahr – je nach Verbrauch – und für den regionalen Energiekaiser einen zusätzlichen Gewinn von 10 Millionen Euro.

Begründet wird diese Preiserhöhung damit, dass seit mehr als drei Jahren der Preis gleich geblieben ist und die Einkaufskosten gestiegen sind. Der Finanzlandesrat Harald Dobernig verlangt als Eigentümervertreter eine detailliertere Erklärung zur Preiserhöhung. Diese kann ich ihm gerne liefern.

Die Kelag hat im Jahr 2009 einen Gewinn von 74,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Cash flow (Gewinn plus Abschreibung) betrug 142,1 Millionen Euro oder in alter Währung 1,9 Milliarden Schilling!

Die Umsätze im 1. Halbjahr 2010 sind vor allem aufgrund der gestiegenen Stromeinkäufe gegenüber dem Vorjahr um 149 Millionen Euro gestiegen. Das hat sich positiv auf das Ergebnis ausgewirkt. Der Gewinn in den ersten sechs Monaten 2010 betrug 70,5 Millionen Euro.

Zum überwiegenden Teil bezieht die Kelag den Strom von der europäischen Strombörse EEX. Da die Preise am Spot- und Terminmarkt seit 2008 um 30 Prozent gesunken sind, ist der Gewinn der Kelag gestiegen, da sie die billigeren Einkaufspreise nicht an die Haushaltskunden weitergegeben hat. Lediglich die Großkunden haben von diesem Preisverfall profitiert. Ihre Preise sind in den letzten Jahren um mehr als 10 Prozent gesunken.

Da die Gier bekanntlich nie genug bekommen kann, wird jetzt der Strompreis erhöht. Die höheren Gewinne kommen den Eigentümern zugute. Das Land Kärnten hat vor Jahren 49 Prozent seiner Anteile an der Kelag an den deutschen Stromriesen RWE verkauft. Der damalige Kaufpreis betrug 291 Millionen Euro und wurde schon längst verjubelt. Da der neue Miteigentümer seinen Kaufpreis so rasch wie möglich amortisieren möchte, werden hohe Dividenden gefordert. Diese Rechnung geht nur dann auf, wenn die Kärntner Haushalte einen höheren Strompreis bezahlen.

Das gerade der Finanzlandesrat eine Erklärung zur Preiserhöhung verlangt, ist ein Treppenwitz, weil das Land Kärnten als Hauptaktionär am meisten von dieser Maßnahme profitiert. Diese politische Scheinheiligkeit und die Argumente der Kelag für die Preiserhöhung tun weh.

Zeigen Sie mir ein Unternehmen, welches trotz gesunkener Beschaffungskosten den Preisvorteil nicht an die Kunden weitergibt? Das ist die Frage an den Vorstandssprecher der Kelag Hermann Egger. Zeigen Sie mir einen Eigentümer, der keinen Einfluss auf die Entwicklung seines Unternehmens hat? Das ist die Frage an den LR Harald Dobernig. Für wie dumm verkauft die Politik ihre Bürger? Die Antwort auf diese Frage ist die Wahrheit über die Strompreiserhöhung.

Autor: Johann Neuner, Datum: 16.02.2011
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