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Ohne Verantwortung keine Lösung der Probleme

Ob Finanz-, Wirtschafts- oder Budgetkrise. Die Handschrift ist immer die gleiche: Nämlich dass die handelnden Personen nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Banken verkaufen wertlose Forderungen und spekulieren mit Kunstprodukten, ohne darüber nachzudenken was passiert, wenn et­was passiert. Die Finanzakrobaten haben sich darauf verlassen, dass letztlich der Staat einspringen muss, um einen Super-Gau zu verhindern. Too Big to Fail war und ist die Devise. Es wird zum eige­nen Vorteil gehandelt, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste.

Im Bereich der Wirtschaft werden unter dem Schlagwort Globalisierung die Kosten für die Umweltverschmutzung der Allgemeinheit aufgebürdet und in Kauf genom­men, dass bei der Herstellung der Produkte in den Schwellenländern die Arbeits- und Sozialstandards – die Errungenschaft der westlichen Zivilisation – missachtet werden. Dieser Profitwahn geht sogar so weit, dass die Lebensgrundlagen unseres Planeten zerstört werden. Nachhaltig sind nur die Rendite und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen.

Die Politik lebt seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse, indem sie mehr Geld ausgibt als einnimmt. Sie verspielt damit die Aussichten für die Zukunft. Wenn der Punkt er­reicht wird, an dem nichts mehr geht, wird der Steuerzahler zur Kassa gebeten.

Warum ist es so, dass einige wenige tun und lassen können, was sie wollen, ohne dass sie für ihr Handeln verantwortlich sind? Weil die Wirtschaft die Politik be­herrscht und die Politiker keine Gesetze beschließen, die ihr Handeln nach einem Sorgfaltsmaßstab überprüfen könnten.

Anstatt Billionen in die Rettung eines kranken Systems zu stecken – diese Übung kann sowieso nicht gelingen –, wäre es sinnvoller, die Probleme an der Wurzel anzu­packen. Als erster Schritt wäre die Aufnahme einer gesetzlichen Bestimmung, wo­nach Entscheidungsträger für ihre Handlungen persönlich zur Verantwortung gezo­gen werden müssen, denkbar.

Bankmanager, die sich wieder auf das Kerngeschäft besinnen und Produkte ver­kaufen, die sie selbst verstehen. Da würden sich auch die Sparer wieder sicher füh­len. Konzerne, die nicht wegen der Gewinnmaximierung Produkte um die ganze Welt schicken, sondern vielmehr wieder dort produzieren, wo auch die Nachfrage ist. Und Politiker, die nicht nur ihren eigenen Machterhalt verfolgen, sondern wissen, dass sie den Wählern verpflichtet sind. Das wären die Auswirkungen einer neuen Verantwor­tungsdoktrin.

Heute weiß man, dass aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt wurde. Fi­nanztransaktionssteuer, Ratingagenturen, Trennung der Bankgeschäfte etc. – alles Fehlanzeige. Vielleicht bedarf es einer noch größeren Krise, damit die Entschei­dungsträger auch wirklich Verantwortung übernehmen. Verantwortungslos geht die Welt zugrunde. Soviel ist sicher.

Autor: Johann Neuner, Datum: 04.08.2010
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